Eine VIP-Tour hat WZ-Leser ins Forschungszentrum nach Cern, Heidelberg, Freiburg und Bern geführt.

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Der pensionierter Physiker Dr. Klaus Bätzner.

Der pensionierter Physiker Dr. Klaus Bätzner.

WZ-Leser Norbert Richter fotografiert den auseinander gefahrenen CMS-Detektor im Kernforschungszentrum Cern.

Die WZ-Leser vor einer 15 Meter hohen Fototapete des CMS-Detektors.

Heiko Mülleneisen, Bild 1 von 3

Der pensionierter Physiker Dr. Klaus Bätzner.

Er redet wie ein Wasserfall und wirft mit Begriffen der Teilchenphysik um sich, die keinen Zweifel aufkommen lassen: Wir sind in einem Besucherraum am größten europäischen Forschungszentrum in Cern. In diesem unscheinbaren Bau aus den 50er Jahren referiert vor uns der pensionierte Physiker Klaus Bätzner. Im Schnelldurchlauf gibt er eine Einführung in die Relativitätstheorie.

„Ich gehe davon aus, dass wir in vier Jahre eine Revolution der Physik erleben“, sagt der Cern-Physiker. Dabei ist die größte Entdeckung der Physik seit gut 50 Jahren gerade mal zwei Jahre alt: das Higgs-Boson-Teilchen. Fast ein halbes Jahrhundert nur eine These des Briten Peter Higgs haben Wissenschaftler sie 2012 am Cern nachgewiesen.

Die Anlage reicht bis auf französisches Gebiet

Dazu entstand die größte Maschine der Welt. Über einen 27 Kilometer langen kreisförmigen Tunnel in 100 Meter Tiefe erstreckt sich die Anlage auf schweizer und größten Teils französischem Gebiet. Auf nahezu Lichtgeschwindigkeit werden kleinste Teilchen in Röhren, dem Large Hadron Collider (LHC), beschleunigt und prallen dann aufeinander.

„Davon erhoffen wir uns, dass wir die letzten Fragen der Menschheit klären“, sagt Bätzner. Denn die Welt, die wir sehen und kennen, besteht aus Materie. „Beim Urknall ist Anti-Materie auf Materie gestoßen, wenn sich beides aber aufhebt, dann wären wir heute nicht hier. Was gibt es also noch?“

Der Höhepunkt der VIP-Leser-Tour der WZ nähert sich hiermit. Nach Stationen in Heidelberg, Freiburg, dem Besuch des Einstein Museums in Bern, geht es nun vom schweizerischen Genf weiter mit dem Bus in die Nähe des französischen Ortes Cessy direkt in unmittelbare Nähe zu einem der Detektoren, die das Higgs-Teilchen entdeckt haben. Derzeit werden Wartungsarbeiten durchgeführt, so dass der exklusive Besuch überhaupt möglich ist.

Das Forschungszentrum Cern feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Es wurde gegründet, um das Abwander von Wissenschaftlern aus dem kriegszerstörten Europa zu verhindern. Der Name leitet sich vom französischen Namen des Rates ab, der mit der Gründung der Organisation beauftragt war, dem Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire. also übersetzt: Europäische Organisation für Teilchenforschung.
 

 Direkt am CERN sind 2.513 Mitarbeiter tätig sowie ständig über 12.200 Wissenschaftler und Mitarbeiter fremder Institute akkreditiert. Das Cern hat 21 Mitgliedsstaaten. Deutschland übernimmt ein Fünftel des Jahresbudgets in Höhe von 900 Millionen Euro. Die autonomen Experimente kosten zusätzlich.   
 

Vorbei am Kontrollzentrum mit mehreren übereinanderhängenden Monitoren führt Christian Barth von der Uni Karlsruhe in den Aufzug nach unten – zum CMS-Detektor, der einen beeindruckenden Anblick liefert. „Im Betrieb generiert er 40 Millionen Ereignisse pro Sekunde. Ein Ereignis liefert 20 bis 30 Megabyte an Daten“, erläutert Barth. Da kommt eine Menge zusammen, weswegen unterschiedliche Filtersysteme letztlich 100 Ereignisse pro Sekunden speichern. „Diese werden auf Computer an Universitäten verteilt und untersucht“, erklärt Barth das so genannte Grid-Computing, ein Internet-ähnliches Netzwerk. So wie Computeranwender Daten auf irgendwelchen Großrechnern im Internet speichern: der Cloud.

Ein gutes Beispiel dafür, dass das Cern nicht nur naturwissenschaftliche Neugier befriedigt, sondern vor allem für den Alltag nützliche Nebeneffekte hervorbringt: Vor genau 25 Jahren hat dort Tim Berners-Lee das World Wide Web entwickelt. Oder am Cern erworbenes Wissen kommt in medizinischen Therapien zum Einsatz.

Für die WZ-Leser-Gruppe ist die Reise ein nachhaltiges Erlebnis. „Den High-Tec-Forschungsdetekor aus nächster Nähe zu erleben bleibt unvergessen“, sagt Reinhard Harnau. Norbert Richter aus Kempen ergänzt: „Mich haben vor allem die Dimensionen beeindruckt. Tausende von tiefst gekühlten Magneten, Lasern und anderen Messarmaturen in 100 Meter Tiefe, bei denen es einerseits auf 1000-stel von Millimetern ankommt und die andererseits selbst über 1000 Tonnen wiegen.“